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Der Gruppenalltag von Kindern und Jugendlichen, die aufgrund ihrer traumatischen Erfahrungen ein riesiges Spektrum an internalen und externalen Bewältigungsstrategien (von deviantem Verhalten bis zur Selbstverletzung, von der Prostitution bis zur Übergriffigkeit) mitbringen, stellt für die PädagogInnen, die diesen Alltag strukturieren und mitbewältigen müssen, eine große Herausforderung dar.

Die Gruppe als korrigierendes Instrument ist eine große Chance der pädagogischen Arbeit traumatisierten Mädchen und Jungen in ihrer Entwicklung zu unterstützen.
Für die traumapädagogische Arbeit mit Gruppen haben beispielsweise die Faktoren

  • Rolle und Verhaltensweisen der PädagogInnen,
  • transparente Gruppenstrukturen,
  • Wir-Gefühl,
  • sowie Gruppenrituale

Bedeutung. Eine methodische Basis, auf der alle oben genannten Punkte erarbeitet, bzw. vertieft werden können, ist die Ampelrunde.

 

Was ist die Ampelrunde?

Die Ampelrunde ist eine täglich stattfindende Reflexions- und Feedbackrunde. Es ist eine gruppenpädagogische Methode, in der Kinder und Jugendliche lernen können,

  • ihr eigenes Verhalten zu reflektieren und einzuordnen,
  • über ihr Verhalten zu sprechen,
  • Kritik annehmen zu können,
  • Lob annehmen zu können,
  • anderen zuzuhören,
  • und andere ausreden zu lassen.

Sie lernen sich mit dem Verhalten anderer auseinander zu setzen und anderen Kindern und Jugendlichen ihrer Gruppe eine kritische und positive Rückmeldung zu geben.

 

Wie ist der Ablauf der Ampelrunde?

Alle Kinder und Jugendliche setzen sich mit den BetreuerInnen im Dienst an einen Tisch. Ein Kind beginnt sein Verhalten des Tages zu reflektieren. Einzelne Situationen werden den Farben der Ampel zugeordnet:

Rot: Das war nicht akzeptabel / Hier habe ich gegen eine Regel verstoßen
„Ich fand es rot von mir, dass ich heute morgen im Bus den Oliver geschlagen habe, weil ich so wütend auf ihn war.“

Gelb: Hier muss ich aufpassen / Das kann ich besser
„Es war gelb von mir, dass ich mich so aufgeregt habe, als die Johanna gesagt hat, sie möchte jetzt mal alleine sein.“

Grün: Das ist mir gut gelungen / Das habe ich gut gemacht
„Ich fand es grün von mir, dass ich heute wieder so gut beim Kochen geholfen habe.“

 

Hat das Kind die Selbstreflexion seines Tages beendet, geben die anderen Kinder und Jugendlichen der Gruppe, der Reihe nach dem Kind ein Feedback zu seinem Verhalten an diesem Tag. Auch sie orientieren sich an den Farben der Ampel.

Ich fand es rot, dass du den Oliver geschlagen hast und noch getreten hast, als die Betreuer nicht geguckt haben.“

Ich finde es gelb, wenn du mich immer provozierst, wenn du aus der Schule kommst."

Es ist grün, dass du immer so gute Ideen hast was wir nachmittags machen können, sonst wäre es in unserer Gruppe manchmal so langweilig.“

Zum Schluss geben die BetreuerInnen im Dienst dem Kind eine Rückmeldung zu einzelnen Situationen des Tages. Auf die gleiche Weise geben nacheinander alle Kinder und Jugendlichen der Gruppe eine Selbstreflexion von sich ab und erhalten von den anderen Gruppenmitgliedern und den BetreuernInnen ein Feedback über das eigene Verhalten an diesem Tag. Die Dauer der Ampelrunde ist abhängig von der Größe der Gruppe und der Gruppensituation. Eine Ampelrunde kann in 20 Minuten beendet sein, aber auch bis zu einer Stunde dauern.

 

Was bewirkt die Ampelrunde?

Durch die täglich stattfindenden Ampelrunden lernen die Kinder und Jugendlichen vor allem ihr eigenes Verhalten zu reflektieren. Sie müssen sich mit ihrem Verhalten auseinandersetzen und sich überlegen, wie sie einzelne Situationen des Tages in akzeptables bzw. nicht akzeptables Verhalten einordnen. Fehleinschätzungen werden in der Ampelrunde nicht nur von den BetreuerInnen aufgedeckt und korrigiert, sondern vor allem auch von den Kindern und Jugendlichen der Gruppe. Eine immer wieder bestätigte Erkenntnis der Kleingruppenforschung ist, dass Botschaften, die Kinder oder Jugendliche von Mitgliedern ihrer Peergroup erhalten, wesentlich bedeutsamer sind als Botschaften, die sie von PädagogInnen oder Elternfiguren erhalten.

Die Rückmeldungen der anderen Kinder und Jugendlichen haben einen sehr hohen Stellenwert für die Kinder, da sie von Gleichaltrigen und Gleichgestellten kommen und so auch einfacher anzunehmen sind. Die Kinder und Jugendlichen lernen neben dem Geben und Empfangen von Feedback, auch eigene Gefühle und Meinungen zu verbalisieren. Sie können Selbstkritik üben und den Rahmen der Ampelrunde nutzen, um sich bei anderen Gruppenmitgliedern für abwertendes, übergriffiges oder gewalttätiges Verhalten zu entschuldigen.

Sie haben hier aber auch die Möglichkeit, zu  lernen sich selbst zu loben und auf etwas stolz zu sein. Die Ampelrunde bietet Kindern und Jugendlichen einen relativ geschützten Rahmen, in dem sie anderen Kindern und Jugendlichen sagen können, was ihnen am Verhalten der anderen nicht gefällt, aber auch was sie am Verhalten von anderen Kindern und Jugendlichen gut finden. Durch die Anwesenheit der BetreuerInnen in der Ampelrunde kann eine kontraproduktive Rückmeldung („Ich finde es super, dass du den Oliver geschlagen hast, weil ich den auch nicht leiden kann.“) gestoppt und korrigiert werden. Das Feedback geben und das damit verbundene Hineinversetzen in die Situation eines anderen Gruppenmitgliedes fördert die Empathiefähigkeit der Kinder und Jugendlichen.